Abnabelung

Ich versuche mich von meiner Mutter ab zu nabeln. Nicht mit 14, nicht mit 22, sondern mit 44 Jahren… besser spät als nie. Wenn es sich nur nicht so anfühlen würde als würde ich mir selbst eine halbe Seite abschneiden. 

Versuche ich mich von ihr als Mensch ab zu nabeln, oder von ihrer Stimme ist gleich meiner Stimme in meinem Kopf? Meine Schuldgefühle, mein schlechtes Gewissen, meine Undankbarkeit, obwohl sie doch immer alles für ihr Kind getan hat. Ich höre sie in meiner eigenen Stimme, in meinen Selbstvorwürfen in meinen Selbstzweifeln.

Wie lange dauert es bis ich diese jahrzehntelangen Programmierungen endlich verändern kann, die aber jede Nacht wieder neu aufgespielt werden.

Ich muss, ich soll, ich darf nicht… 

Irgendwann werde ich es schaffen, dass ich darf, und will und es vor allem dann auch tue – ohne schlechtes Gewissen.

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EMDR… Fluch oder Segen?

EMDR, die neue Wunderwaffe in der Traumatherapie? Ich durfte sie „genießen“ in meiner Klinik-Zeit…

Tatsächlich meinte der behandelnde Arzt „enjoy“, wenn ich tief in meine schrecklichen Trauma- Gefühle hineinfloß.

Bei einem meiner Traumata wirkte diese Technik sehr gut. Nach nur 20 Minuten Fingerwedeln hatte ich die schrecklichen Gefühle körperlich stark durchlebt und kam zu dem positiven Satz „ich bin geschützt“.

Dieses Trauma-Thema hatte ich allerdings schon Wochen lang in Gesprächstherapien, sowohl mit der Tresortechnik, als auch vor allem sehr erfolgreich mit der Screening-Technik bearbeitet.

Für solche schon intensiv durchanalysierten Trauma-Erlebnisse erscheint mir EMDR sehr erfolgsversprechend in kurzer Zeit.

Schlechte Erfahrungen habe ich dann leider mit weiteren EMDR-Sitzungen zu einem anderen Trauma-Thema gemacht, das noch überhaupt nicht mit niemanden vorbesprochen war. Irgendwie hatte ich gehofft, dass ich das schnell mal auch noch in 20 Minuten „wegfühle“.

Stattdessen versteckten sich aber hinter dem einen Trauma ganz viele komplexe traumatischen Erlebnisse und Erfahrungen. Das führte dazu, dass ich 40 Minuten lang körperlich nicht mehr aus dem Ekel herauszubringen war. Deshalb brach der Arzt die Sitzung ab und es ging mir sehr schlecht die nächsten Tage. Nachdem wir all die versteckten Themen in weiteren Sitzungen durchanalysiert hatten, schaffte mein Arzt in den nächsten Sitzungen den Ekel wenigstens abzuschwächen und verschiedene positive Sätze dazu zu finden und mit EMDR zu fühlen.

Insgesamt war es ein sehr schmerzhafter Weg, aber mit maximalem „Erkenntnisgewinn“…

Psychopharmaka?

Was sind die vor und Nachteile von Psychopharmaka? Ich schildere hier natürlich nur meine unmaßgebliche Sicht der Dinge aufgrund meiner ganz individuellen Erfahrungen.

In den drei Monaten in der Psychoklinik stationär habe ich viele Patienten unter dem Einfluss von Psychopharmaka erlebt. Es gab sicher einige unter ihnen, die ohne diese medikamentöse Unterstützung ihre schrecklichen Leiden nicht ertragen hätten können. Vor allem wenn es schon ganz konkrete Suizid-Gedanken gab. Dann scheint mir der persönlichen Schutz wichtiger als der Erkenntnisgewinn.

Denn das mit dem Erkenntnisgewinn könnte schwieriger zu werden, wenn man Medikamente nimmt. Je nach Dosierung und je nach Einschleich- Dauer waren viele Patienten in der Klinik sehr oft sehr müde. Sie waren insgesamt gedämpfter, weniger Schmerzen, aber auch weniger Empfänglichkeit für neue Denkansätze, neue Sichtweisen. Dazu kamen auch häufig Konzentrationsschwierigkeiten.

Die Alternative zu Psychopharmaka scheint aus meiner Sicht die Substitution mit Nahrungsergänzungsmitteln. Ich bekomme von meiner Ärztin hochdosierte Aminosäuren und körpereigene Hormone zum tagsüber stabilisieren. Baldrian und Melatonin für einen tieferen Schlaf und zum Abbau der Stresshormone.

Das stabilisiert mich seit sechs Monaten mit mittel-schweren Depressionen und PTBS relativ gut. Allerdings bin ich sicherlich weniger gedämpft, d.h. auf der Achterbahn der Gefühle geht es auch richtig tief runter, tief ins schwarze Loch ohne zu wissen wann diese Talfahrt und wo diese Talfahrt aufhören wird. Das bringt natürlich auch viel Angst mit sich.

Zu erwähnen ist noch, dass es laut den Ärzten nicht untypisch sei, wenn man mit PTBS keine Medikamente nehmen möchte, um die Kontrolle über den eigenen Zustand nicht zu verlieren.

Schließlich soll natürlich jeder einfach selbst entscheiden, welchen Weg er/sie versuchen will um den Genesungsweg zu beschreiten.

Klinik?!

Was spricht für oder gegen den stationären Aufenthalt in einer Klinik für Psychotherapie, Psychosomatik und Psychiatrie:

Nach meiner Erfahrung ist es gar nicht so leicht da reinzukommen. Wochenlangen Diskussionen mit der Krankenversicherung, ob man wirklich ambulant schon alles ausgeschöpft.

Ich hatte das Glück in einer sehr guten, sehr ganzheitlichen Klinik zu sein für 3 Monate. Die Patienten wurden Gäste genannt. Und waren überwiegend so normal wie ich mich auch selbst fühle. So war die Angst unter lauter Irren wochenlang zu sein wie weggeblasen.

Stattdessen haben sich dort sogar ganz besondere Freundschaften entwickelt. So einen Klinik-Aufenthalt gemeinsam zu erleben, das kann man keinem „Normalen“ erklären. Das schweißt ein Leben lang zusammen.

Ich dachte, am meisten wird mir Gesprächstherapie helfen. So denken eigentlich alle dort, deshalb gibt es ständig Diskussionen wer wie viele Einzelsitzungen auch wirklich bekommt.

Im Nachhinein haben mir aber andere körperbetonte Therapien viel mehr geholfen. Nie vergessen werde ich die Erkenntnisse aus der Kunsttherapie, aus der Körper-Energie-Arbeit und vor allem aus der Tanztherapie.  Aber auch der individuellen Sport, das Yoga und das Mantrasingen und die wunderbare Natur waren im Nachhinein sehr wertvoll.

Nicht zu vergessen die unvergesslich verbindenden Momente mit den Tieren dort, Pferde, Katzen, Hunde und Alpakas.

Vieles davon versuche ich auch jetzt im schweren Alltag für mich alleine oder mit ambulante Unterstützung umzusetzen m, um nach der langen Klinik- Zeit irgendwie wieder im normalen Leben anzukommen.

Und das ist aus meiner Sicht vielleicht der Nachteil eines Klinikaufenthaltes: dort befindet man sich in einem Schutzraum, alle sind einem zugewandt, 24 Stunden lang kümmert man sich. Ich fühlte mich sehr beschützt und sehr geborgen dort.

Umso schwieriger ist es wenigstens für mich danach die Erkenntnisse auch wirklich im Alltag umzusetzen, die Muster wahrzunehmen, etwas wirklich zu verändern. So schwer es auch in den alt eingefahrenen Beziehungen ist. Vor allem die nie gelernte Abgrenzung zu den vielen Energieräubern um uns herum.

Warum oder wozu?

Warum geht es uns so wie es uns geht? Wozu geht es uns so wie es uns geht?

Die Suche nach dem warum geht tief in die Vergangenheit und schmerzt sehr… aber können wir uns ohne uns mit den Ursachen intensiv zu beschäftigen wirklich heilen?

Die Suche nach dem wozu wirkt auf den ersten Blick konstruktiver. Doch bringt sie uns auch viel Angst und Ungewissheit, vielleicht sogar Panik und Entscheidungsdruck.

Wollen wir lieber die Ursachen in der Vergangenheit finden oder den Sinn in der Zukunft suchen?